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| Gedichte von Isaac Fleming | |||||
Wenn ich unruhig
Schlaf nicht finde
Ruhe nicht
öffne ich nächtens
das Fenster
War es Schlaf
so lebt er nicht
wenn Deine Lichter
links neben mir
vorüber ziehn
Ein paar Runden
Midtown
60. Stock
so lange kreisen
bis die Welle kommt
aufspringen
und hinuntersurfen
bis nach Chinatown
Einer Schanze gleich
hinaufkatapultiert
so weit die Stadt
nach oben reicht
So finde ich mich
in ruhiger Nacht
weit oben
doch schon
der Schwung verblasst
treibe ich
wie welkes Blatt
zurück ins Bett
in dunklen Schlaf
Einsam ziehen
durch dunkle Nacht
weit aufgerissne Augen
hungrig starr nach vor gequillt
versuchen Beute zu fixieren
und sind doch
selber schon gefangen
Jagen sekundenschnell
Erdumfänge weit
lassen sich treiben
von ruhelos zitternden Fingern
doch ihr Durst nach Blut
ist nicht zu stillen
Und einsam in der Nacht
ruheloser als zuvor
surfen sie von einem Futterplatz
zum nächsten hin
haben alles hinter sich gelassen
Glaube, Zukunft, Glanz
denn die Gier
noch mehr zu haben
lässt ihnen keine Ruh
Innerlich schon längst zersprungen
treiben sie weiter durch das Netz
rütteln, schütteln
taube Finger
nur um weiter
nicht zu verweilen
sind schon lange ohne Ziel
ruhelos ohne Hafen
flackern tote Augen
im fahlen Licht der falschen Welt
Reich mir deinen Schatten, liebes Kind
weil nichts in meinem Takt
mich näher zu der Welt gebracht
Lass mich mit dir
noch einmal eilen
mich der Welt wieder zu vereinen
Habe den Schritt nicht gehalten
habe kein Gefühl bekommen
war nicht stark genug für ihre Kraft
Will all mein Glück
in deine Hand dir legen
kann dir nicht mehr geben
als nur mein Glück
hat die Welt mir alle Hoffnung
schon längst mit sich genommen
Sie bestiegen ihr Schiff
Du hast nie begriffen
was sie bis zu dir
an unsere Küste trieb
Als das Schiff
hinter Wolken verschwunden war
tatest du
als ob ihr Abschied
nichts für uns
zu bedeuten hat
Heute sehe ich
dich traurig wie noch nie
dein Herz schwer
weil es begriffen
was es verloren hat
Doch du redest
wie alle hier
als hättest du
mit ihnen nichts am Hut
nur eure Augen
verraten euch
bei jeder Lüge
die ihr sprecht
Hättet ihr das Schiff
wohl halten können
hättet ihr euch nur
dazu bekannt
ach wie schwierig
muss es sein
über den eigenen Schatten
in neue Welten
zu gelangen
Weit schwingt der Adler fremd
sein breites Federnkleid
wohl aus Traurigkeit
Denn wie könnte er
glücklich sein
wenn jeder Flug
doch nur des Todes wegen
den Himmel füllt
Fahnen im Wind
der Sternenbanner
Erhofft, erwartet, erträumt
von denen denen
nicht geholfen wurde
Zahlenlose
auf den Straßen, im Dreck
Nummernlose
vogelfrei und ausgestoßen
im eigenen Land
Die Fahnen – ein Symbol
gegen jene die schauten
und nichts sahen
gegen jene die hörten
und nichts fanden
was wert war
gehört zu werden
Ein Symbol
Fahnen im Wind
der Sternenbanner
fremdes Blut auf fremdem Boden
für die Namenlosen
die nicht bedauert wurden
nicht beweint wurden
Nur von ihresgleichen beweint
Nur von ihresgleichen betrauert
Der Sternenbanner
Die Scham derer die
zusahen
und verwalteten
das Elend anderer
das nicht ihr Elend war
das ihnen unangenehm war
ekelig
mit dem sie nichts zu tun haben wollten
denn es ist schmutzig
Das Elend anderer
Wenn Regentropfen das Fenster
hinunterrinnend sanft den Blick verklären
grauen Straßen ihre Konturen nehmen
das Leben draußen an Schärfe verliert
dann press, mein sanftes Kind,
ganz fest dein Gesicht ans Glas
genieße wohl was du da siehst
und denke nicht daran
wie kurz solche Momente sind
Blut schießt in die Bahnen
der erste Schrei klingt jämmerlich
kleines Leben an der Schnur
herausgeschleudert in unsre Welt
lernen sollst du die Gesetze
spüren wirst du sie
vorbestimmt die Regeln
wenig Raum dir bleibt
du magst dich noch
zu wehren denken
nächtelang tapfer schrein
doch deine Mühen nutzen
alle nichts
du hast akzeptiert
durch deine Geburt
die Gesetze unabänderlich
die bei uns
zu Buche stehn
Ich bin ein Walross
schiebe mich, zwänge mich
weite, tiefe Gänge entlang
habe von dir gehört
deiner zarten, leichten Gestalt
wie du durch die Räume
tanzt
sie gehen alle an mir vorbei
obwohl kein Raum mehr
zwischen mir und der Wand
ich schnaufe, keuche
ringe um meinen Platz
während ich an Zimmern
mit zu kleinen Türen
unwillig vorüber zieh
habe ich dein Bild vor Augen
das ich nie gesehen
und fürchte mich gleich dabei
den wie wirst du mich
sehen
wenn wir uns einmal treffen
hier mitten in meinem langen Gang
Hundert über die Brücken
über die Kanäle
hundert Meilen
es ist stille, stille Nacht
ich habe immer, immer
dein gedacht
Hundert durch eine leere Stadt
auf der Suche
wie schnell muss ich sein
wenn alles schläft
um bei dir zu sein
ich habe immer, immer
dein gedacht
Ich habe dich gesucht
weit zurück
im Süden
hundert Meilen schnell
war nicht genug
um mein zu sein
Ich hör nicht auf
ich lass es nicht
ich kann nicht
ich kann nicht
ohne dich
So rase ich in Städten
mitten durch die Nacht
sehe Häuser vorüberziehen
keuche
und alles ist ruhig
Kein Licht dringt aus den Fenstern
kein Licht aus den Türen
ich rase
ich liebe
liebe nur dich
Es spiegelt sich der Wagen
am nassen Asphalt
ich jage mit meinem Spiegelbild
nach deiner leichten, zärtlichen Gestalt
Ich habe Musik gesucht
bald ein Leben lang
Ich war mit euch
wollt es sein
Es war euer Takt
der mir gefiel
Doch tanzte ich mit euch
fand ich den Rhythmus nicht
So fragte ich euch:
was macht es nur
weshalb ihr tanzen könnt
wie ich mich nicht verstehe
auf eure Antwort
warte ich heute noch
wohl wisst ihr nicht
dass ich Antwort will
es ist der Rhythmus der mir fehlt
und meine Frage
nicht zum schwingen bringt
Suchend kreist der Adler
über den Dschungel fern
tausend Sehnsüchte voll
sein Blick
Wie soll er eindringen
in das Gewirr
ohne sich zu verlieren
im grünen Blätterkleid
Luft – oh Leben, Leiden – oh Glück
wie die Luft der Vogel
das Glück die Liebe
das Blut das Leben
so will ich hier stehen
ganz still, ganz stumm, ganz erfüllt.
Nur fühlen, nur fallen, nur sein
nur glücklich sein.
Ein Takt, nur ein Takt.
Ein Schritt, nur ein Schritt.
Glauben, erwarten, erwarten.
Nicht hoffen wollen.
Keinen Schritt zurück!
Und hier kommt er.
Der Takt, die Musik, der Beginn.
Gehen, laufen, gehen.
Muster im Glauben, Muster der Kraft.
Das Neue wird erzwungen.
Es wird nicht darauf gewartet.
Man ist.
Und das mit jedem Schritt mehr.
Die Luft war lau. Als der Abend kam.
Langsam senkten sich die Schatten. Verbreiteten den Duft der Blumen. Ein
Parfum. Teuer und gut. Frisch und schwer hüllte es mich ein.
Die Schatten sind warm im Sommer. Man ist zu Hause im Sommer. Man erinnert
sich. Und entdeckt es neu. Von anderer Warte. Aus neuer Position.
Ich will leben, Vater.
Hier stehen und herrschen, Vater.
Lass mich nicht alleine, Vater.
Ich will Macht, Vater.
Ich bin besser als Du.
Stärker und kräftiger.
Ich bin Dein Sohn
Vater.
Rock ´n Roll im Schutzhaus Schafberg
War alles nicht kräftiger, stärker
damals
War alles nicht ehrlicher, näher
damals
Duft an ihrem Haar
War alles nicht geheimnisvoller
fremder und reizvoller
damals
als es noch nicht so einfach war
als man sich noch bemühen musste
als man sich seiner Sache
weniger sicher war
damals
als man noch träumen konnte
und Träume noch Gehalt hatten
so fern und so reizvoll waren
Wenn ich gehe
immer gehe, im Takt
dann muss es funktionieren
Die Straßen sind dreckig,
Abbruchhäuser, Müll
Diebe und Nutten
Aber wenn ich gehe
einfach gehe
die Häuserschluchten entlang
immer weiter
ohne mich aufzuhalten
bei Freunden
die keine Freunde sind
bei Freunden
die mich nicht ziehen lassen wollen
Müssen die Häuserschluchten dann nicht weichen?
Irgendwann einmal?
Ich will wieder Himmel sehen
die Sonne spüren und das weite Land
menschenleer will ich es
nur so – einfach so
Aber ich muss aufstehen
mich in die Höhe stemmen
ich muss glauben
an die Sonne und an den blauen Himmel.
Und dann gehen. Einfach gehen.
Gleichmäßig, klar und unabänderlich
Es muss schön sein
so gehen zu können.
Immerfort.
So lange es eben braucht.
Aber wo bin ich heute
ich will gehen, einfach gehen
ich will gehen, einfach gehen
Anflug auf Scottsdale.
Two miles final.
Die Lichter der Stadt
zum greifen nahe.
Hier oben ist es ruhig.
Es ist nichts los am Funk
um diese Zeit.
Gedämpftes rotes Licht der Armaturen.
Alle Instrumente im grünen Bereich.
Keine Gewalt, kein Stress,
kein Ärger hier oben.
Und unten?
Unten ist schön von hier oben.
Die Lichter der Landebahn:
zwei Streifen,
lange, glitzernd weiße Linien.
Weit in die Nacht hinein.
Sie gehören mir.
Niemand da außer mir.
Die blauen Tupfer der Taxiways.
Menschenleer. Ein riesiger Platz.
Alles mein.
Ich bin schnell:
Landeklappen herunter, Fahrwerk heraus.
Die grüne Linie –
Jetzt berühre ich den Asphalt.
Nehme die Piste in Besitz.
HABE ALLES
Vollgas, Klappen hinauf und beschleunigen.
Die Lichter der Landebahn rauschen an mir vorbei.
Ich folge ihnen bis zum
Take-off-speed.
Hochziehen, steigen und eine Kurve nach links.
Jetzt werden sie wieder mehr
die Lichter der Stadt
breitet sie sich wieder aus
die Stadt
unter mir
Alles unter Kontrolle.
Voller Speed, alles in Bewegung.
Zwischen dem Mond
und denen da unten,
schlafend in ihren Betten,
gibt es nur mich.
Wenn ich könnte...
Auf den Tisch, über die Akten
direkt zum Fenster hinaus.
Die Hauswand entlang
Wie auf einem Gehsteig
Aufs Dach
Tanzen
Hubschrauber umkreisen mich
Volle Beschallung
Bässe, Höhen, alles passt
Die Stadt hört mich tanzen
Video wall
Zwölf Monitore
Ich sehe mich tanzen
Live
Und die Stadt schaut zu
Konfettiparade
Alle Akten zerstückelt
Beim Fenster die Häuser hinunter
Ich riesle auf die Straße nieder
Millionenfach
Sehe mich von unten
Sehe mich von oben
In Hubschrauberkreisen
Am Dach tanzend
Es gibt mich
Ich lebe
Alles dreht, alles lebt
Und ich tanze
ich brauche dich
viel mehr als ich verstehe
bin ich dir nahe
bin ich glücklich
verlässt du mich
so leide ich
bist du die
die mich wieder fühlen lässt
bist du die
die mich wieder verlassen muss
damit ich wieder fühle
damit ich wieder liebe
ich muss dich suchen
aber finden
finden darf ich dich nicht
denn es ist dein Geheimnis
dass nur dann
wenn du mir fern bist
noch Geheimnis ist
und ich suche dein Geheimnis
und mit jedem Tag
liebe ich dich mehr
liebe ich dich aus der ferne
denn nur dann
kann ich empfinden
denn nur dann
kann ich wirklich fühlen
Nähe ist so klein
und das Geheimnis
ist so gewaltig
es ist so tief und unergründlich
dass ich glücklich
nur glücklich sein kann
wenn ich dich suche
suche um dir doch nie
nie wirklich nahe zu sein
Es ist der Augenblick
in dem man sich seiner Sache
so sicher ist
dass man alles um sich vergisst
Es ist der Augenblick
ohne Zukunft
ohne dass jemals etwas war
Es ist die Stunde der Vergebung
ohne vergeben zu müssen
Es ist die Stunde der Leichtigkeit
weil es nie anders war
Es ist der Augenblick
so weich und sanft
weil das Leben
weich und sanft ist
Es ist der Augenblick
der so vertraut ist
dass nichts mehr zu fragen
ist
Warum lasst ihr nicht zu
dass ich dort verweile?
Warum wollt ihr mich zurück
Ohne mir das bieten zu können?
Warum könnt ihr es nicht ertragen
jemanden ohne Zukunft
ohne Vergangenheit
mitten unter euch zu haben?
Muss man fordern
von anderen
Muss man leisten
für andere
Nur um euch zu gefallen?
Lasst mich gehen
Lasst mich
sein
Lasst mich gehen
Lasst mich
sein
Isaac Flemming hat eine vielbeachtete erkenntniskritische Forschungsarbeit in der Tradition Immanuel Kants geschrieben. Sein Buch „Sabatieu“ beschäftigt sich mit Themen wie: wie kommen wir zu Erkenntnis? Wie ist unser Erkenntnisvermögen aufgebaut? Wozu befähigt uns unser Erkenntnisvermögen? Wie ist die Realität aufgebaut? Wie kommt es zur Bildung von „Zeit“ und „Raum“?
Sein Buch „Sabatieu“ hat inzwischen Einzug in die renommiertesten Universitäten gefunden. Es ist
im Internet unter folgenden Adresse aufgelistet:
http://members.telering.at/sabatieu/
Ende 1998 erschien sein, gemeinsam mit Birgit Wohlmuth geschriebenes, Jugendbuch „Mister
Pappentea“. Es wurde in der Presse und im Rundfunk mehrfach besprochen. Informationen über
das Buch gibt es unter folgender Adresse:
http://members.1012surfnet.at/philosophie/