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Martin Mair ( office@mediaaustria.at / http://www.mediaaustria.at ) schrieb am Sat Sep 22 14:49:50 2001 GMT-05 :
Ich bin gerade dabei, mich mit einem Internet-Startup selbständig zu machen und setze selbst sehr stark auf Open Source. Meine Zielgruppe ist der non-Profit bereich und Kleingewerbe und anderes aus dem Bereich Wirtschaft, soferne diese mit meiner eher idealistischen Lebenseinstellung halbwegs kompatibel sind. Mein neuer Server hat sich aus der nichtkommerziellen Medienzeitschrift "Der Blätterteig" entwicklelt, der sich an einem Uni-Server, dann auf einem Server in der Firma meines ehem. Arbeitgebers befunden hatte. Es gesellten sich noch andere Alternativmedien und Kulturinitiativen hinzu, sodaß der Verkehr derart anstieg, daß die Firmenleitungen nicht mehr gratis zur Verfügung stand und mit einem neuen Server beim Silverserver die Zelte aufgeschlagen worden sind. Um Kosten des Serverhousing hereinzubekommen, müssen weitere "Kunden" gesucht werden, auch im kommerzielleren Bereich (Kleingewerbe). Ohne Open Source wäre es mir nicht möglich, Programme für diese eher finanzschwachen Gruppen anzubieten, ohne die deren Homepages nicht jenen Nutzen aufweisen würden, daß sich die Kosten irgendwie lohnen würden. Da ich mich ohne großes Kapital selbständig mache, wäre es mir auch nicht möglich, kommerzielle Software zu kaufen und zu hoffen, daß die Kosten bald wieder hereinkommen. Wenn Open Source Gurus ihre Kenntnisse sinnvollerweise zu Geld machen wollen, biete ich meine Zusammenarbeit an. Als alter Moralist (gutkatholische Erziehung und fallweises Engagement im eher linksalternativen Bereich) kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit garantieren, niemanden übers Ohr zu hauen und den gerechten Anteil an Einnahmen weiterzugeben. Es gibt wohl Alternativen zum Kapitalismus, sie sind halt nicht ganz so flott umzusetzen, weil diese mehr Eigenengagement und Durchhaltevermögen bedürfen.
Philipp ( Philipp.Jurewicz@primekom.de / http://www.phj.productions.de/uni21 ) schrieb am Fri Apr 7 13:14:43 2000 GMT-05 :
Hallo Bin jetzt über de.comp.gnu hierher gekommen. Ich bin ein Architektur-Student an der TU-Wien und wir machen einen workshop über "university of the 21. century". Ich habe behauptet, dass man von der OpenSource Bewegung für eben diese Zukunfts-Universität lernen kann. unter http://www.phj.productions.de/uni21 habe ich dazu einen Beitrag geschrieben. Ich würde mich sehr über weitere Meinung, Korrektur, Anregungen, Gegenmeinung... freuen, (eben von Leuten aus den Netz) Einfach an die newsgroup (de.comp.gnu) oder an mich mailen... oder eben hier. mit sonnigen Grüßen Philipp
Maya Stodte ( mstodte@rcn.com / http:// ) schrieb am Tue Mar 28 09:44:27 2000 GMT-05 :
Ich habe diese persoenliche Mitteilung der amerikanischen/ Journalistin Maya Stodte uebersetzt und poste sie hier, weil sie hier ein schoenes Zuhause findet. Der originale Text folgt unmittelbar danach. Antworten jeglicher Art sind willkommen.
"Gibt es Unterschiede zwischen den Open Source-Gemeinden einzelner Nationen? Auf der einen Seite ist die Open Source eine internationale Gemeinde und kann nicht durch die Nationalitaet ihrer Mitglieder charakterisiert werden. Ich interessiere mich nicht so sehr fuer die Herkunft der Mitglieder, sondern fuer die Vitalitaet und Qualitaet der Praesenz (oder deren Fehlen) der Open Source-Gemeinde auszerhalb der Vereinigten Staaten. Dasz die Entwickler aus einer breiten Palette von Laendern stammen, bedeutet noch nicht notwendigerweise, dasz die Schluesselaspekte in der Gemeinde auch lokal gegenwaertig sind. Viele der Aspekte, auf die amerikanische Medien als "die Open Source" hinweisen, sind Amerika-spezifisch und die Geschichte der Bewegung wird mit einem amerikanischen Phaenomen als ihren Wurzeln gesehen -- dem Wachstum der Free Software Foundation als Reaktion auf einen Konflikt der traditionellen Quellen freier Software (wie die MIT Labs) mit den Herstellern kommerzieller Software, die ihnen in den 70ern die Entwickler wegheuerte. Dispute wie die um Amazons "One Click"-Patent sind etwas ausgesprochen amerikanisches -- da Software-Patente in Europa nicht anerkannt werden. Und die Kooperation zwischen kommerzieller und freier Software-Entwicklung ist ebenfalls amerikanisch gepraegt: die aktiven Firmen sind fast ausschlieszlich amerikanisch. Open Source-Konferenzen und -Workshops finden vorwiegend in den USA statt und werden in englischer Sprache abgehalten. Das bringt es mit sich, dasz eine internationale Teilnahmen oft nicht leicht ist. Meine Frage hier ist: gibt es und gab es auch in anderen Laendern aehnliche Phaenomene, die blosz nur nicht so prominente Berichterstattung genossen wie die amerikanischen Aequivalente?
1. OPEN SOURCE-ENTWICKLUNG Wie kam es zur Open Source-Bewegung [in nicht-amerikanischen Laendern] und wer waren die Schluesselfiguren? Gab es Projekte, die denen der Free Software Foundation aehnlich waren? Gab es Probleme bei der Rekrutierung von Entwicklern aus der kommerziellen Welt? Wie kamen Open Source-Entwickler mit dem Konflikt zwischen Broterwerb und dem Erbringen des Aufwands fuer Open Source-Projekte zurecht?
2. OPEN SOURCE-STRUKTUR Was ist die augenblickliche Struktur der Open Source-Gemeinde? a) Gurus b) Konferenzen (wie O'Reillys Apache Groups’s ApacheCon, Usenix’s Tcl/Tk Conference and the PSA Python Conference) c) Usenet Groups d) Websites, Magazine, die Open Source-Belangen gewidmet sind e) Programmiersprachen und Projekte, die bei Programmierern beliebt und kommerziell gefragt sind
3. OPEN SOURCE-KULTUR a) Wie ist die Beziehung zwischen OS und der kommerziellen Welt? Gibt es Kooperiationen? Setzen sich kommerzielle Programmierer fuer OS ein? Sind sie dabei erfolgreich? b) Wie sieht die Beziehung zwischen OS und dem Bildungswesen aus? c) Wie sieht die Beziehung zwischen OS und den Regierungen aus? d) Wie sieht die Beziehung zwischen OS und der Geschaeftswelt aus? Treten grosze Unternehmen als Sponsoren von Open Source-Projekten auf (wie etwa IBMs Linux Lab)? Gibt es Firmen wie Red Hat, die das Open Source- Modell anwenden?"
Hier der O-Ton: "Several people have requested more specific questions/information about my article - following is an abstract and rough outline of what I am looking at:
Are there differences in the Open Source community between national borders? On the one hand, Open Source is an international community and can not be characterized by the nationality of its members. I am interested in not the nationality of its members, but rather the strength and quality of the presence (or absence) of the Open Source community outside the United States. Just because developers from a wide national background participate in the community does not necessarily mean that key aspects of the community are present to them locally. Many of the aspects of what the (US) media identifies as the Open Source community are distinctly American phenomena – the history of the movement is identified as having its roots in an American phenomenon – the growth of the Free Software Foundation out of a dispute with American commercial software development and the recruitment by this community of developers away from the traditional venues of Open Source community like the MIT labs – all this in the early seventies. Disputes in the OS community such as those against Amazon’s one-click patent are distinctly American – software patents are not recognized in Europe. And cooperation between the commercial and OS community as evidenced in the creation of Red Hat and corporate sponsorship of OS projects is also distinctly American – the companies being overwhelmingly if not exclusively American companies. Open Source conferences and work shops are primarily held in the united states and conducted solely in English. This does not afford easy participation by the international open source community. My question is – are and have there been similar phenomenon at work in other countries and languages that have not been given equal exposure?
1. OPEN SOURCE: DEVELOPMENT: How did the open source community develop and who were the key players? Were there any projects similar to the Free Software Foundation? Has there been difficulty recruiting programmers from the commercial community? How have programmers bridged the conflict between needing to make money and devoting time to Open Source?
2. OPEN SOURCE: STRUCTURE: what is the current structure of the open source community? a. Gurus b. Conferences (similar to O’Reilley’s Perl Conference, Apache Groups’s ApacheCon, Usenix’s Tcl/Tk Conference and the PSA Python Conference) c. Usenet Groups d. magazines/websites devoted to Open Source issues d. Languages and projects that are popular with programmers and commercially in demand.
3. OPEN SOURCE: CULTURE: a. what is the relationship between OS and the commercial programming community? Is there cooperation? Do commercial programmers advocate OS? Are they successful? b. What is the relationship between OS and the educational community? c. What is the relationship between OS and the government? d. what is the relationship between OS and the business community? Do major corporations sponsor Open Source development or particular projects? (ie IBM ’s Linux lab) Are there businesses like Red Hat that use the OS model?"
Christian Lampel ( christian.lampel@chello.at / http:// ) schrieb am Wed Jan 12 13:26:14 2000 GMT-05 :
Vorab möchte ich festhalten, daß ich kein professioneller Wahrsager bin, aber gewisse Trends und Entwicklungen lassen sich schon einschätzen, insbesonders wenn Kausal-Zusammenhänge vorliegen.
Reinhard Gantar ( reinhardgantar@teleweb.at / http:// ) schrieb am Wed Jan 12 13:19:14 2000 GMT-05 :
Die glaenzende Perspektive des Open Source-Prozesz ist, dasz das beste noch bevorsteht. Bisher waren die Investitionen der "von Tausenden ueber den Globus verstreuten Hacker" moeglicherweise gering im Vergleich zu dem, was sich durch die Milliarden-IPOs von Red Hat und VA Systems abzeichnet. Diese Summen sind jetzt Spielgeld in den Haenden von Firmen, die wissen, wie man den Open Source-Prozesz zur Entwicklung von Software nutzt. Viele weitere werden folgen. Profitieren werden davon nicht nur die Anwender (dazu gleich mehr), sondern auch die Horden von Hackern, die jetzt fuer ihre kenntnisreiche Mitwirkung an OS-Projekten b e z a h l t werden koennen. Bleibt zu hoffen, dasz das viele Geld nicht die Bewegung und den Gedanken korrumpiert.
Mich persoenlich wuerde es aber sehr ueberraschen, wenn unter den Nutznieszern und Anwendern der allernaechsten OS-Entwicklungen bedeutende Teile der bisherigen Win9x/MS Office-Jockeys waeren. Microsoft hat den Desktop ganz ordentlich im Schwitzkasten und wird enorme Anstrengungen unternehmen, damit das so bleibt. Das ist aber gar keine so schwarze Aussicht. Open Source-Software ist am "Infrastrukturmarkt" weit ueberlegen; Die globalen Stadtwerke sind fest in der Hand von NetBSD, Apache, perl, Linux und sendmail. Infrastruktur, Stadtwerke -- ich suggeriere hier absichtlich "offizielle" Arenas, denn fuer klassische Belange und Aufgaben der Regierungen ist Open Source-Software besonders interessant. Mich wundert, dasz auf diesen Umstand erst vor relativ kurzer Zeit hingewiesen wurde. Die Attraktivitaet hat zwei Gruende. Der eine ist, dasz Regierungen immer sehr viel Wert auf Unabhaengigkeit und Autonomie gelegt haben, wenn es um lebensnotwendige Gueter und Dienstleistungen ging. Sogar, wenn es sich volkswirtschaftlich nicht rentiert, wollen die meisten Staaten ihre eigenen Kraftwerke, Eisenbahn- und Panzerfabriken und ihre eigene Agrarindustrie haben. Wenn es auch nur Spuren davon gibt, holen sie sogar mickrige Erdschaetze aus dem eigenen Boden, auch wenn sie bessere guenstiger importieren koennten. Ich pauschaliere hier, aber fuer alle hier bedeutsamen Belange kann man es als gute Annaeherung gelten lassen. Heutzutage sind Computer und Telekommunikation auch solche lebenswichtigen Ressourcen geworden, die sogar kriegsentscheidend sein koennen und in der computerisierten Welt einen beachtlichen Teil des Wohlstands erzeugen. Unter diesem Gesichtspunkt ist es unverstaendlich, warum sich beispielsweise die Franzosen, die sogar auf ihrer eigenen Atombombe bestehen und aus reiner Paranoia ihre abgeschlumpfte Autoindustrie weiterschleppen, das nationale digitale Nervensystem einem pokerspielenden Monopolisten in Redmond ausliefern. Aber, die Zeiten aendern sich gerade; das Open Source etwas zur Auszenhandelsbilanz beitragen kann, daemmert inzwischen sogar Politikern und Militaers. Das ist der eine Grund, der zweite sollte sogar noch ueberzeugender sein. Die von Aemtern, Behoerden und Geheimdiensten verwendete Software wird letztenendes von der Oeffentlichkeit bezahlt, daher waere es plausibel, wenn sie der Oeffentlichkeit uneingeschraenkt zur Verfuegung gestellt werden wuerde. Warum bekomme ich meine Steuerabrechnungssoftware nicht vom Finanzamt? Die wissen besser als jeder andere, wie man's macht. Und ich will den Source Code, um einen Emacs-Mode draus zu machen, so bin ich nun mal. Gerne stelle ich dann die Fruechte meiner Arbeit anderen steuerzahlenden Emacsern zur Verfuegung. Und wehe, mein programmierender Steuerberater entdeckt einen heimtueckischen "Bug" in der Rueckverguetung von Sozialabgaben... Das ist der zweite Grund, aus dem die Regierungsinstitutionen buchstaeblich die moralische PFLICHT haben, auf den Open Source-Zug aufzuspringen. Das bedeutet: noch mehr Geld, noch mehr Code, noch mehr Anwender, noch mehr alles fuer OSS. Viel Glueck, Mr Gates, wenn Sie von einem Heuschreckenschwarm von aus Steuergeldern finanzierten Hackern angegriffen werden. Ich hoffe, ihr Desktop-Monopol kann sie dann noch lange genug troesten, bevor Sie in Pension gehen.
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